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Pressestimmen

Tibetisches am Ku’damm

Wo Kräfte wieder ins Gleichgewicht kommen

 
Foto: Umahaus
Alexsej Zasuhin, ein aus Sibirien stammender Jude, betreibt seit gut zwei Jahren in einer Seitenstrasse von Berlins Nobelboulevard Kurfürstendamm eine Praxis für Tibetische Medizin - wenn das keine gelungene Integration ist. Auf knapp 500 Quadratmetern ist in der Knesebeckstrasse 59-61 in der größten privaten Physiotherapiepraxis der Hauptstadt Wohlfühlen pur angesagt. Und doch fühlt man sich im Eingangsbereich des «UMAHAUS», so der Name der Praxis, ganz und gar nicht wie in einer medizinischen Einrichtung, sondern mehr in Räumlichkeiten, wie man sie sich auch zu Hause wünscht: Bilder und Skulpturen, angenehme Sitzmöglichkeiten, ein wohliger Duft und leise Hintergrundmusik. Es gibt tibetische Tees zur Begrüßung und ansprechende Wellnessmagazine, die dem Gast die wenigen Minuten bis zur Behandlung verkürzen. Die Tibetische Medizin geht auf das 7. Jahrhundert zurück, als Texte des indischen Ayurveda erstmals ins Tibetsche übersetzt wurden. Sie stand unter dem Einfluss der Traditionellen Chinesischen Medizin, heute als TCM bekannt und der auf altgriechischen Einflüssen basierenden islamischen Unani-Medizin. Bereits im 11. Jahrhundert verfasste Yuthog Yonten Gonpo der Jüngere seine «Vier Bücher der Heilkunde». Die seither hochdifferenziert entwickelte Tibetische Medizin kennt inzwischen etwa 84.000 Störungen bei etwa 400 Krankheitstypen. Im 20. Jahrhundert wurden fast alle buddhistischen Klöster in der Mongolei und in Sibirien von der Roten Armee zerstört und die dort aufbewahrten medizinischen Schriften vernichtet. 1949 annektiert dann die neu ausgerufene Volksrepublik China Tibet, die traditionellen medizinischen Schulen wurden zerstört und so gut wie alle der rund eintausend tibetischen Ärzte ermordet. Nur zwölf Heilkundige überlebten den Genozid. Die wenigen medizinischen Texte, die diese Annexion unbeschadet überstanden haben, wurden im Rahmen der chinesischen Kulturrevolution fast zur Gänze von den Roten Garden Maos verbrannt. Nur einige konnte der XIV. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, ins indische Exil retten, wo er in Dharamsala das Lehrseminar für Tibetische Medizin gründete. Dort werden die Heilmethoden noch heute gelehrt und ständig weiterentwickelt. Aleksej Zasuhin kam bereits mit 12 Jahren zum ersten Mal mit der Tibetischen Medizin in Berührung: Sein Lehrer und Mentor, der größte und berühmteste Lehrer der echten Tibetischen Medizin in Russland, der Emtschi-Lama Schimit-Dorgi Dugarov, führte ihn in die Grundlagen der tibetischen Heillehren ein. Diese Erfahrung war so prägend für ihn, so dass er schon mit 15 Jahren, während er ein medizinisches Kolleg besuchte, seine erste Behandlung selbst durchführte. Später hat Zasuhin sein Diplom als Lehrer und Forscher der Tibetischen Medizin an der Buddhistischen Hochschule in Aginskoje in der russischen Region Burjatien erworben. Heute verwirklicht er in seiner Praxis den «Dialog zwischen der Jahrtausende alten Medizintradition Tibets und der modernen, naturwissenschaftlich orientierten Medizin des Westens». Der noch immer regelmäßige und direkte Erfahrungsaustausch mit seinem Lehrer Dugarov in Ulan Ude liegt Zasuhin dabei sehr am Herzen und vervollkommnet seine Behandlungsmethoden ständig. Die Grundlage der Tibetischen Medizin ist in vielen Fällen eine spezielle Pulsdiagnostik zum Feststellen von Krankheiten, aber auch des Konstitutionstypus der Patienten. Eine ausgewogene Ernährung spielt in der Tibetischen Medizin als Prävention und Therapie eine wichtige Rolle. «Die Ernährungsgrundsätze der Tibetischen Medizin beruhen auf der Theorie der „Fünf Elemente" - Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum», erklärte uns Alexsej Zasuhin. Die Qualität der fünf Elemente werde durch sechs Geschmacksrichtungen beschrieben. In einer ausgewogenen Ernährung müssten alle Elemente und Geschmacksrichtungen ausreichend enthalten sein, denn eine solche Balance stärke maßgeblich die Gesunderhaltung des Körpers.Ein wichtiger unterstützender Aspekt für die Heilung der Patienten sei dabei die differenzierte Kräuterheilkunde. Daher ist der Tee zur Begrüßung weder Show noch Kundenfang, sondern Teil einer Ernährungsberatung, die für jeden Gast der Praxis individuell ausgesucht und zur Entspannung oder zum Wecken neuer Kräfte zusammengestellt werden kann.Krankheiten werden nach tibetischem Medizinverständnis durch falsches Denken und Handeln, also das «Karma», eine falsche Ernährung, ein ungünstiges Klima und weitere persönliche Faktoren der einzelnen Individuen, etwa durch negative persönliche Glaubensmuster, verursacht. Häufig kündigen sie sich lange im Voraus an. Wer hat das nicht schon erlebt: Unwohlsein, Unausgeglichenheit und innere Unruhe. Die wachsenden Anforderungen der Arbeitswelt, aber auch soziale und familiäre Konflikte, können Auslöser sein. Eine der Aspekte der Behandlung ist die Anpassung des Menschen an veränderte klimatische Bedingungen. Zasuhins Lehrer sagt dazu: «Wir befinden uns in Zeiten der planetarischen Entzündung».Zasuhin und seine Mitarbeiter, unter ihnen Physiotherapeuten, ausgebildete Heilpraktiker und Masseure, betrachten den Körper als Ganzes, denn in der Tibetischen Medizin ist die Gesundheit das Ergebnis des Gleichgewichtes innerer Kräfte. Das persönliche Gespräch zwischen Patient und Therapeut ist der erste Schritt zur Gesundheit. Im «UMAHAUS» nimmt man sich dafür viel Zeit, egal ob die Patienten privat- oder gesetzlich versichert sind.Nicht selten muss sich Zasuhin Fragen zu Wirksamkeit oder Scharlatanerie der Tibetischen Medizin anhören. Begriffe und Prinzipien, auf denen diese ganzheitliche medizinische Tradition beruht, sind tief im fernöstlichen Denken verwurzelt und der westlichen Sichtweise oft nicht zugänglich. Dann verweist Zasuhin gerne auf den Dalai Lama, der schon 1998 in Washington angeregt hatte, bei westlichen Schulmedizinern «rigorose Studienprogramme mit modernen naturwissenschaftlichen Instrumenten» durchzuführen, «denn unsere Kräutermischungen müssen einer kritischen Analyse standhalten». Auch Patienten aus dem Westen müssten, so der Dalai Lama, unabhängig von den spirituellen und religiösen Komponenten der Tibetischen Medizin auch von deren Heilkräuterkunde gesundheitlich und therapeutisch profitieren können. Inzwischen sei erwiesen, so Zasuhin, dass spezielle tibetische Kräutermischungen schrittweise die so genannten «Freien Radikalen» abbauen können, die unbehandelt durch Oxidationsprozesse im Körper Proteine, Lipoide und die Erbinformation DNA schädigen und Zellen zerstören. Solche Oxidationsprozesse werden für das Entstehen zahlreicher Krankheiten, aber auch für einen vorzeitigen Alterungsprozess verantwortlich gemacht. Auch Arteriosklerose, landläufig als Arthritis bekannt und durch oxidativen Stress hervorgerufen, könne durch tibetische Kräuter gemildert werden, dies würden Forschungen der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich belegen.Auch israelische Wissenschaftler interessieren sich sehr für die Möglichkeiten der Tibetischen Medizin. In diesem Zusammenhang verweist Zasuhin besonders auf Forschungsergebnisse des israelischen Mikrobiologen Isaac Ginsburg von der Hebrew University in Jerusalem. Dem Forscher seien 110 durch Oxidationsprozesse hervorgerufene Krankheiten bekannt. Tibetische Kräutermischungen, so zitiert Zasuhin Professor Ginsburg, seien schon deshalb besonders zukunftsträchtig, «weil das Ende einer Ära der Antibiotika naht, da es immer mehr resistente Keime gibt».Der israelische Mediziner sei der Überzeugung, dass Entzündungen und Oxidationsprozesse, die stets durch eine komplexe Vielzahl von schädigenden Substanzen ausgelöst würden, ebenso durch einen Mix an Heilpflanzen oder deren Kombinationen bekämpft werden müssten, denn, so Ginsburg: «Die eine omnipotente Substanz gibt es nicht!» Israelischen Wissenschaftler waren auch an der Erforschung der Kräutermischungen «Padma 28» gegen die Schädigungen von Zellstrukturen und «Padma 179» gegen das so genannte Reizdarm-Syndrom beteiligt.Das Angebot aus dieser Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten im Berliner «UMAHAUS» reicht unter anderem von Rotlicht- und Saunatherapien, Ganzkörpermassagen, Lymphdrainagen und Fangopackungen über kosmetische Gesichts- und Fussreflexzonenbehandlungen, Gymnastik und Krankengymnastik bis zu Pilates, Iyengar Yoga oder Anticellulitebehandlungen mit Schöpfen, Maniküren und Pediküren, Ayurveda als traditionelle indische Ölmassage sowie Shiatsu-Massagen, Kursen in traditionellem Hatha-Yoga oder Ballett. Das alles für «Sie» und «Ihn» und sogar für die Kleinsten: Ein «Kids-Club» für die Drei- bis Fünfjährigen und zwei Hip-Hop-Gruppen ergänzen das universelle Bewegungs-Kursangebot für Erwachsene im Großen Saal der Praxis. Für ein kurzes Interview mit Alexsej Zasuhin wollte ich bleiben. Ein sehr lehrreicher und angenehmer ganzer Nachmittag mit ihm und seiner Frau Violetta ist daraus geworden - und die Einsicht, etwas tun zu müssen. «Bring Deine Kräfte ins Gleichgewicht», rät mir der große und kräftige Mann zum Schluss. Ihm ist es gelungen - und das gibt er gerne weiter. www.umahaus.de. Lutz Lorenz«Jüdische Zeitung», März 2008 

UMAHAUS Praxis für Physiotherapie und Tibetische Medizin - Leonhardtstr. 20, 14057 Berlin